Beringen der Störche im Murimoos 14. Juni 2010// mehr... Wissenswertes über den Weisstorch Der Weisstorch gehört zur grossen Familie der Schreitvögel. Männchen und Weibchen sind kaum zu unterscheiden. Beide haben dieselbe Gefiederfarbe, rote Schnäbel und Beine. Die Störche brüten nur einmal pro Jahr. Am Nestbau und am Brutgeschäft beteiligen sich beide Partner. Die Eiablage erfolgt im April, Brutdauer 32 Tage, Flugfähigkeit im Alter von 65 – 70 Tagen, Geschlechtsreife mit 3 – 4 Jahren. Die Betreuung und Bewachung der Jungen einerseits sowie die Futterbeschaffung anderseits erfolgt abwechslungsweise durch beide Partner. Erst ab dem Alter von 30 Tagen werden die Jungen für ganz kurze Zeit allein gelassen. Der Weisstorch in der Schweiz In der Schweiz gab es um 1900 noch 140 Brutpaare, diese Zahl nahm rasch ab. Im Jahr 1949 brütete in Neunkirch SH das letzte Paar und ab 1950 war der Storch bei uns ausgestorben. Max Blösch hatte schon früh die Idee, den erlöschenden Storchenbestand durch Gehegezuchten zu stützen. 1948 stellte Wildhüter Arnold seinen Garten in Altreu für diesen Zweck zur Verfügung. Daraus entstand die legendäre Storchenstation Altreu. Nach gescheiterten Versuchen mit Störchen aus dem Elsass, konnte Max Blösch 1955 aus Algerien Jungstörche einfliegen. Diese wurden im brutreifen Alter freigelassen. Es bildeten sich Brutpaare, welche die bereitgestellten Horste in der Umgebung bezogen. Ein Teil der geschlüpften Jungstörche wurde im Gehege zurückbehalten und dienten so als Magnet für die frei fliegenden Störche. Als nächster Schritt erfolgte die Gründung von Aussenstationen, die nach dem gleichen Prinzip wie die Hauptstation arbeiteten. Heute gibt es in der Schweiz gemäss Statistik von Storch Schweiz, www.storch-schweiz.ch wieder etwa 240 Brutpaare. Der Storch im Murimoos In der Meinung, dass sich unser Gebiet für die Wiederansiedlung des Storches eigne, haben wir im Sommer 1986 mit Max Blösch Verbindung aufgenommen. Nach einem Augenschein hat er sich begeistert geäussert. Im Herbst 1987 brachte er eine Gruppe von 12 Störchen. Im Frühjahr 1988 wurden 8 Störche freigelassen, 4 Jungstörche blieben als “Bodenstörche” im Gehege. Von den freigelassenen Störchen haben sich 3 Brutpaare gebildet, die sofort die bereitgestellten Horstunterlagen auf den umliegenden Dächern annahmen. Zudem sind schon im ersten Jahr 2 fremde Brutpaare zugeflogen. Fortan nahm die Population kontinuierlich zu. Waren es im Jahr 2000 noch 8 brütende Paare, sind es erfreulicherweise im jahr 2010 schon 26 Storchenpaare mit 46 Jungen, welche im Murimoos den Sommer über zu Hause sind. Ausserdem bauten 3 Paare in der näheren Umgebung (Hasli und Sonnengut Boswil) ihre Nester. Der Zug nach Süden – segelnd mit dem Wind Im August/September ziehen die Störche weg. Der lange Weg geht über Frankreich, Spanien, Gibraltar, Marokko und Mauretanien nach Mali oder bis nach Ghana. Die Störche fliegen als exzellente Segler in aufsteigender Warmluft, die sich nur über dem Boden bildet. Sie meiden deshalb das offene Meer, welches sie nur im Kräfte zehrenden Ruderflug überqueren können – darum der kürzeste Weg über die Strasse von Gibraltar. Auf der langen Reise legen die Störche die eindrückliche Distanz von bis zu 10'000 km zurück. Auf dem afrikanischen Kontinent folgen die Storchenscharen dem Futterangebot, zum Beispiel den gefürchteten Wanderheuschrecken oder den als Plage auftretenden Raupen des Eulenfalters. Im Januar setzt die Rückreise ein, so dass sie im Laufe des März wieder in ihrem “Sommerdomizil” eintreffen. Durch verschiedene Einflüsse (elektrische Verdrahtung, Umweltchemikalien, Abschüsse) ist die Ausfallquote auf der langen Reise sehr gross. Allgemeine Gedanken Heute werden keine neuen Aussenstationen mehr aufgebaut. Die Meinung herrscht vor, dass der Wiederaufbau einer Storchenpopulation oder deren Erhaltung nur sinnvoll ist, wenn für die Störche der nötige Lebensraum geschaffen werden kann. Heute gibt es in der ganzen Schweiz keine Störche mehr, die in Gehegen gehalten werden. Auf eine Zufütterung wird ganz verzichtet. Die Gegend selbst soll angesiedelten, frei fliegenden Störchen genügend Nahrung für die Aufzucht ihrer Jungen bieten. Im Murimoos herrschen mit dem Biolandbau, den ökologischen Ausgleichsflächen, dem Weidebetrieb und den Feuchtgebieten sehr gute Voraussetzungen. |
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